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“Twitter-DJ”. Bonus: Vaddern erzählt von früher.

Die DJ-Setliste live und vollautomatisiert aus dem Club twittern. Das geht jetzt. Zumindest bei all jenen, die digital mit Traktor (der DJ-Software für schlapp um die 200 Euro) auflegen. Ein neue Software mit dem starken Namen “Twitter-DJ” macht’s möglich.

Klingt erstmal Super.
Im Vor-mp3-Zeitalter aber wäre das mein Untergang gewesen.

Die Termine in den Studentenclubs waren hart umkämpft. Im Ring der DJs um regelmässige Jobs war so ziemlich alles zugelassen, ausser echten Waffen. Rufmord, falsche Freundschaften, Unterwanderung der Clubräte, CD-Diebstahl, schlechter Sex und so weiter.
Das – wie ich finde – perfideste Mittel in unserem Studentenparty-Kleinkrieg war das Nachahmen von guten Setlisten. Die unkreativen Honk-DJs besuchten einfach die Abende der Konkurrenz und merkten sich die gutgehenden Titel inklusive Reihenfolge. Klingt lächerlich, ist aber ärgerlich. Wer den eigenen Auftritt mit Songs würzt, die er wenige Stunden zuvor im Secondhandladen teuer erstanden hat, und sie in der darauffolgenden Woche bei einem anderen DJ in der – ungelogen – identischen Reihenfolge hört… und dann den Typen am Pult als denjenigen wiedererkennt, der einem beim letzten eigenen Gig die Interpreten der ausgefallenen Sachen aus den Rippen geleiert hat, und der noch dazu einen der damals spärlichen Highspeed-Napster-Zugänge besass…

Kurzer Sinn: Ich hätte “Twitter-DJ” gehasst.

Heute ist das zum Glück alles anders, da geht es nur noch um die Kunst, nicht mehr ums Geld.

Links zu Thema:
“Gezwitscherte Playlists aus den Clubs.” DJ Tanith im Gespräch mit ORF-Futurezone.
Twitter-Account von Richard Hawtin. Der zwitschert Listen.

Categories: Lost In Music, Time Of My Life.

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4 Responses

  1. Sehr schön. Aber bitte vergiss nicht die immer lieben und sehr verständnisvollen Diskogäste.

    “Ähhh….grunz….spiel ma was von….grunz…lall…den Onkelz!!”

    “Nee, hab ich nich!”

    “Wieso nich????”

  2. Einfach zurückgrunzen.

  3. Und gab es nicht mal eine Zeit, in der DJs die Etiketten von ihren 7″-Platten abpulten? Ich kenne sowas ja nur noch aus Büchern.

    Andererseits: dem Konzept des DJs wird ja immer (an Unis und so) untergejubelt, dass er das Ende des Künstlersubjekts bedeutet. Da ist die Veröffentlichung (und optimalerweise: Zugänglichmachung) des eigenen Archivs ja ein konsequenter Schritt. Das einzige was dann noch den DJ von Nicht-DJ unterscheidet, ist die Begabung, mit der Schulter Kopfhörer ans Ohr zu klemmen, ohne sie ordnungsgemäß aufsetzen zu müssen.

  4. Es. *Das* Konzept.



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